• Regula Burkhardt-Lehmann

Da gackern die Hühner


Die Bioeier der Migros stammen von Hühnern, auf deren Speiseplan neuerdings Sonnenblumenkuchen statt Soja steht. Eine Pionierleistung in der nachhaltigen Eierproduktion.

Die Legehennen von Migros-Bioeiern haben einen neuen Menüplan. Sie picken kein Soja mehr aus Übersee, sondern Sonnenblumenkuchen aus Europa. Bei diesem handelt es sich um jenen Teil der Sonnenblumenkerne, der nach der Ölpressung übrig bleibt. Allerdings wurden die Kerne vor der Pressung extra geschält, damit sie den Legehennen gut bekommen. Überhaupt ist die neue Futtermischung genau auf die Bedürfnisse der Hennen abgestimmt und enthält weitere nahrhafte Zutaten, etwa Raps- und Leinkuchen. Diese fallen ebenfalls als Nebenprodukte in der Speiseölherstellung an und müssen deshalb nicht extra angebaut werden. Eigentlich sind Hühner nicht wählerisch, sie fressen sowohl pflanzliche Zutaten als auch Würmer und Käfer. Der Nährstoffgehalt muss aber ausgewogen sein, damit die fleissigen Tiere gesund bleiben.

Bereits vor zwei Jahren setzte sich die Migros das Ziel, gänzlich auf sojafreies Futter für Legehennen umzusteigen. Soja ist zwar eine gesunde und beliebte Zutat für Tiernahrung, da es viel Protein enthält. Die grosse Nachfrage bringt allerdings ökologische und soziale Probleme mit sich, weil für den Anbau mancherorts grossflächig Regenwälder gerodet werden und selbst bei nachhaltiger Anbauweise lange Transportwege anfallen. Zusammen mit der Tierfutterherstellerin Biomühle Alb. Lehmann Biofutter AG machte sich die Migros auf die Suche nach Alternativen. Der Plan war verwegen. Denn der Sojaverzicht durfte weder auf Kosten der Tiergesundheit noch auf die der Eierqualität gehen. Dank dem Know-how der Tierfutterhersteller lag eine Lösung aber bald auf dem Tisch. «Wir setzten wegen des hohen Proteingehalts auf den speziellen Sonnenblumenkuchen. Dieser sorgt dafür, dass die Henne gesund bleibt und die Eierqualität stimmt», sagt Eric Droz, stellvertretender Geschäftsleiter der Biomühle.

Ab Ende 2016 testeten die ersten Biolegehennen-Betriebe das neue Futter in der Pilotphase und verkauften die Eier in der Genossenschaft Migros Ostschweiz. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten. «Die Resonanz war so gut, dass wir bereits Ende des vergangenen Jahres komplett auf die neue Mischung umgestiegen sind und nun in allen Filialen ausschliesslich sojafreie Bioeier anbieten», sagt Migros-Mediensprecherin Alexandra Kunz. Da der Sonnenblumenkuchen im Ankauf allerdings teurer ist als Soja, kostet ein Sechserkarton Bioeier nun zehn Rappen mehr.

Die alternative Fütterung begrüsst auch Jonas Reinhard. Er ist Geschäftsführer der Hosberg AG und steht als Bioei-Vertreiber in engem Kontakt mit den Produzenten. «Dass die Nahrung früher aus Übersee stammte, empfanden viele Biobauern als Missstand. Diesen konnten wir mit dem Sonnenblumenkuchen beheben», sagt er. Und das Wichtigste: Auch die Legehennen mögen das neue Menü. Sie erfreuen sich guter Gesundheit und legen, wie zuvor auch, fast jeden Tag ein feines Bioei.

Erschienen im: Vivai

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